Diskussion, Blues und Abschied

«Klima- und Geschlechterdebatte: Wo liegt da der Zusammenhang?» Diese Frage stellte eine Besucherin des Live Podcasts «Einfach Leben» vom Sonntagmorgen im Schloss Wyher. Gerichtet war sie an die feministische Aktivistin, DJ und Menschenrechtsexpertin Noemi Grütter. Die Antwort: «Frauen sind überdurchschnittlich oft von Klimakatastrophen oder zunehmender Trockenheit betroffen.» Zumal im globalen Süden, wo die Auswirkungen des Klimawandels schon stark spürbar sind. «Frauen erledigen Carearbeit. Sie holen Wasser, sorgen für das Essen.» Das wird bei zunehmender Trockenheit schwieriger; bei Katstrophen noch viel mehr. Vor der Fragerunde hatten rund 50 Personen dem Gespräch von Noemie Grütter und dem Host des Podcasts gelauscht, der Soziologin, Autorin, Journalistin und Rassismus-Expertin Anja Nunyola Glover. Grütter sprach auch die Rolle von kulturellen Organisationen in der Genderthematik an: «Sie können Direktbetroffenen eine Plattform und eine Stimme verleihen.» Ferner ging es um den Sprachwandel – etwa um das bei der Begrüssung gefallene Wort «Gästin». Die Protagonistinnen sprachen sich für Neugier und Offenheit aus. «Jede Sprache wandelt sich und passt sich der Gesellschaft an», sagte Grütter. Wichtig sei, dass man sich damit auseinandersetze und bereit sei, den Wandel mitzutragen. Anja Glover machte eine Analogie zum Lernen einer Fremdsprache. «Anfänglich fühlt es sich unnatürlich an. Doch man gewöhnt sich daran.»

Der Blues(er) kehrt zurück

«Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist»: Der zweite Act im Schloss Wyher, Walter «Wale» Liniger, zitierte zu Beginn Victor Hugo. Es war symptomatisch für sein Set, zu dem neben Musik auch viel Text gehörte. Der Berner trägt den Namen Blues-Professor. Das hat mit seiner Tätigkeit in den USA zu tun, wo er an einer Hochschule lehrte. 2019 kehrte er zurück, nach 40 Jahren. Blues-Philosoph würde es genauso gut treffen. Denn neben viel Sound brachte er Erzählungen aus seinem Leben mit. Dessen grössten Teil verbrachte er damit, dem dunstigen Begriff des Blues nachzugehen. Der ist eben weit mehr als eine Musikrichtung, er ist ein Lebensgefühl. Vor einem Jahr begleitete Liniger die literarische Lesung von Livia Anne Richard, nun stand er allein im Rampenlicht. Zusammen mit Gitarre und Mundharmonika. Beide beherrscht er. Das zeigte sich am Schlussbouquet mit der «Schnoregiige». Hier kombinierte er Improvisation, Schweizer Melodien wie «Luegid vo Bärg ond Tal» oder das Guggisbergerlied mit dem wiederkehrenden Motiv einer Dampflokomotive. Denn auch die Eisenbahn mag der Spross einer Lokomotivführerfamilie. Für ihn indes wäre dieser Beruf nichts gewesen. «Dazu hätte ich mich zu sehr an Regeln halten müssen.» Im Blues muss er das nicht.

Tosender Applaus zum Abschluss

Das letzte Konzert des Festivals begann mit tosendem Applaus. Er richtete sich an Sabrina und Adi Rohner-Troxler. Als Dank und zum Abschied. 2015 hatten die beiden die Programmierung übernommen, seit 2021 war Sabrina überdies Festivalleiterin. Das Abschlusskonzert des Eva Quartet in der Pfarrkirche am Sonntagabend war ihr allerletztes.

Die vier Bulgarien trugen nach 2007 zum zweiten Mal südosteuropäische Kultur in die Pfarrkirche. Sie nahmen mit auf eine Reise durch die verschiedenen Kulturregionen ihrer Heimat. Mit traditionellen, zeitgemässen und arrangierten Volksliedern zeigten sie eindrücklich, wie vielfältig die menschliche Stimme sein kann. Ihre Gesangstechnik ist derart intensiv, dass in der Mitte des Konzerts eine kurze Pause nötig war, um die Kehlköpfe abzukühlen. Im letzten Teil sangen die vier begnadeten Vokalistinnen slawische Kirchenlieder und liessen so ein erfolgreiches und vielfältiges Festival harmonisch ausklingen.

Bilder: Markus Frömml
Text: David Koller

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