Fulminanter Auftakt mit einheimischen Stimmen

Furioses Finale eines abwechslungsreichen Auftakts: Gemeinsam stimmten die fünf Sängerinnen und zwei Sänger des «Heimspiels» den Klassiker «Jolene» von Dolly Parton an. Es war ein krönender Abschluss des ersten Abends des 20. Stimmen Festivals. Die Büelacherhalle war prall gefüllt, vor Konzertbeginn mussten die Helferinnen und Helfer zusätzliche Stühle in den Saal tragen. Ein Luxusproblem.

Zuvor fand der Workshop «Einstimmen» mit Corinne Schmidiger statt. Hier waren die Besucherinnen und -besucher eingeladen, unter fachkundiger Leitung selbst die Stimme erklingen zu lassen. Der Andrang im Singsaal war gross. Die herrschende positive Atmosphäre stand sinnbildlich für die geradezu euphorische Stimmung, die am ganzen Abend herrschte.

Sieben lokale Stimmen

Heimkommen macht Freude. Das zeigte sich beim «Heimspiel» deutlich: Alle auftretenden Künstlerinnen und Künstler sind in der Region «aufgewachsen und in vielfachem Sinn gross geworden», wie Moderator Pablo Haller festhielt. Die erste Stimme gehörte der Willisauerin Nadja Limacher alias Anna Mae. Die Sängerin und Liederschreiberin gab zwei Chansons und zwei Americana Songs, authentisch und einfühlsam. Ihr folgten die Vokalistin Claudia Greber – aufgewachsen in Willisau – und der Kontrabassist Simon Iten. Das Duo schuf mit Eigenkompositionen und arrangierten Volksliedern eine zugleich fragile wie verspielte Stimmung.

Julia Herzog alias Julia Heart stand letztmals als 14-Jährige in der Büelacherhalle – an einer Turnshow. Der Sound der gebürtigen Grosswangerin mit der erdigen Stimme wandelt sich immer mehr von Country in Richtung Folk-Pop. Christian Aregger alias James Fonda mag es abstrakt und grell. Die Bühne betrat er im Neonoutfit, seine drei ersten Songs spielte er auf einem Laufband gehend. Der Sempacher ist Gitarrist des Duos Blind Butcher, Solo kombiniert er digitale und analoge Musik. Im Widerspruch zum schrillen Auftritt tönt das erstaunlich eingängig, bisweilen fast schon poppig.

«Schuehmächerli» und Liebesleben

Lea Maria Fries wurde in Schötz geboren und lebt heute in Paris. Mit ihrem Partner, dem E-Bassisten Julien Herné, hat sie ein Album über ihr Liebesleben geschrieben. In Ettiswil gaben die beiden Einblicke in das Werk – geprägt von Fries’ vielseitiger Stimme und Hervés diskreter Begleitung. Simon Borer alias Long Tall Jefferson hat ein eigenes Genre erfunden: Cloud Folk. Der gebürtige Buttisholzer verbindet vermeintlich inkompatible Dinge wie klassische Gitarre und Autotunes-Gesang, oder Folk und Glitzer. Es funktioniert hervorragend. Letzte Interpretin der illustren Runde war die in Dagmersellen aufgewachsene Priska Zemp alias Heidi Happy. Sie gab sich abwechslungsreich: Zu einem für Stephan Eicher geschriebenem Duett übernahm sie beide Parts, beim Kinderlied «Schuehmächerli» setzte sie einzig auf Stimme und Loops. 

So vielfältig die Künstlerinnen und Künstler waren, eines hatten alle gemeinsam: Tolle Stimmen und die Gabe, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Alle kamen sie gerne nach Ettiswil; alle hatten sie sichtlich Spass am Auftritt und übertrugen ihre Spielfreude auf die Zuhörenden. Der erste Abend des 20-Jahre-Jubiläums weckte Lust auf mehr. Am Freitag geht es weiter mit Afi Sika Kuzewau, dem zweiten Teil des Workshops «Einstimmen» mit Corinne Schmidiger sowie mit Meimuna und Fink.

Bilder: Markus Frömml
Text: David Koller

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