Leuchtende Kinderaugen und düstere Inhalte

Sie besingen den Bauchnabel und Lucy, das Tussi. Sie erzählen Geschichten aus der Schule und wissen, wie man Kaugummi aus den Haaren entfernt. Albissers Buntwösch eröffneten mit dem gutbesuchten Familienkonzert den Festivalsamstag. Die Band setzt sich zusammen aus vier vielfältigen Instrumentalist:innen: Katharina Albisser (Kompositionen, Piano, Gesang), Marcel Lüscher (Bassklarinette, Klarinette, Saxofon, Glockenspiel, Gesang), Edith Knüsel (Gesang, Ukulele) und Raphael Woll (Schlagzeug, Bass, Gesang) zeigten, dass Kindermusik auch mal jazzig daherkommen kann. Ihr Konzert hatte Drive und war dank spontan hingeworfenen Witzen auch für die anwesenden Eltern unterhaltsam. Die Kinderaugen leuchteten auch danach: Die Zirkusfamilie Paffrath aus Gunzwil begeisterte die kleinen Gäste mit Ballonen und Schminken. Das Festivalgelände lebte darob schon am Nachmittag auf.

Intensive Beziehung zu Publikum

Das Stimmfenster von Colour of Rice war geprägt von einer intensiven Beziehung zwischen Sängerin und Publikum. Das führte so weit, dass bei der Singer & Songwriterin Tränen der Rührung flossen. Ihr Set war nicht nur wegen den Raumverhältnissen im erneut gut gefüllten Singsaal intim. Sie gab viel aus ihrem Leben Preis. Ihre feine Stimme begleitete sie mit einer akustischen Gitarre, ohne irgendwelche Effekte. Zum Schluss liess sie das Publikum mitsingen – ein perfekter Übergang auf den folgenden Workshop «Einstimmen». In diesem steigerte Corinne Schimidiger zum dritten Mal an diesem Wochenende die Vorfreude der Teilnehmenden auf das nächste Konzert. Im Nu schaffte sie es, die Anwesenden mit Bodypercussion, Gesang und Bewegung mitzunehmen. 

Düsterer Höhepunkt

Heimlicher Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Micah Paul Hinson. Das Set stand ganz im Zeichen seiner markanten und tiefen Stimme. Prägend war überdies die Vielfalt der drei Musiker. Neben Hinson standen Allessandro Stefana (Banjo, Keyboard, Gitarre) und Paolo Mongardi (Drums) auf der Bühne. Das Spektrum war immens. Mal grenzwertig laut, dann wieder verletzlich leise. Bisweilen tönte es schräg, danach wieder herrlich harmonisch. Hinzu kamen die tieftraurigen Texte. Von Menschen, die Menschen töten. Von Vätern, die auch zu Weihnachten betrunken sind. Sie sind bezeichnend für das Leben des heute in Italien wohnhaften Native-Americans. Viel hat Micah P. Hinson durchgemacht. Er hat gelebt. Und wie. All das trug dazu bei, dass dieses intensive und vielfältige Konzert allen Anwesenden in bester Erinnerung bleiben wird.

So schön sieht Musik aus

Nach Hinson wurde es hell und glitzrig. Und voll: Tiffany Athena Limacher alias To Athena aus Luzern brachte ganze acht Instrumentalist:innen mit. Unter anderem eine Harfenspielerin und drei Streicherinnen. Die dargebotene, perfekt orchestrierte Kammerpop-Show stand im krassen Gegensatz zum vorherigen Konzert. Wobei: Auch To Athena ging inhaltlich auf schwierige Themen ein. Unter anderem trug sie zusammen mit drei Bandmitgliedern ihre Ballade «Angscht» vor, ergänzt um einen französischen Teil. Zur präsentierten Glitzerwelt gehörte auch ein ironischer Werbeunterbruch fürs Merchandising – mit stimmiger Piano-Unterlegung und gespielt dümmlichen Fragen zur verkauften Ware. Eine Camouflage auf das Dauerwerbe-Fernsehen. Der Abschluss war dann wieder alles andere als ironisch. To Athena lud das Publikum zum Mitsingen ein. Rund 160 Personen stimmten ein und machten dem Namen des Festivals alle Ehren. 

Als Premiere für das Stimmen Festival übersetzen die Dolmetscherin Lilly Kahler und Lisa Arter das Konzert in Gebärdensprache. «So schön sieht Musik aus», konstatierte To Athena. Zu Recht.

Bilder: Markus Frömml
Text: David Koller

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