Von Irland bis Süditalien

Das Publikum des ersten Freitag-Konzerts war das lauteste: Rund 100 Kinder und Erwachsene freuten sich auf Hoppelihopp & Lotta – den Hasen und seine beste Freundin, das lustige Huhn. Die beiden Schwestern Katrin (Gesang, Gitarre, Ukulele, Cajon) und Eva Zihlmann (Gesang, Ukulele, Handorgel) sowie Jürg Nietlispach (Bass, Halszither) erzählten singend Geschichten rund um das tierische Duo. Dabei zogen sie das Publikum mit ein: die Kinder tanzten und sangen. Dass die drei auf der Bühne zurecht ans Stimmen Festival eingeladen wurden, bewiesen sie unter anderem mit ihrem oft zwei- und mitunter dreistimmigen Gesang. Der Kontrabass sorgte derweil für Boden und eine gehörige Portion Groove.

Das Stimmfenster gestaltete Pet Owner. Sie nennt ihre Musik Bubblegum-Pop. Eine treffende Beschreibung. Oft begleitet die Luzernerin ihre klare Stimme mit einer elektrischen Garcia-Gitarre. Gleichzeitig kommen Drummachines aus den 1980ern zum Einsatz. Zusammen mit verschiedenen Synths sorgten sie für die experimentelle Seite des Sets. Vogelgezwitscher war zu hören, eine Drehorgel oder spacige Effekte. In einem Lied generierte ein Effektpedal eine zweite, männliche Stimme. Die präsentierten Songs stammten vom Debut-Album Natural Behaviour. Sie passten hervorragend zum intimen Setting des Stimmfensters im Singsaal.

Rufous Nightjar sorgten für die Überraschung des Tages. Lange war nicht klar, ob es die drei Frauen nach Ettiswil schaffen. Am Abend zuvor waren Branwen Kavanagh, Anna Ling und Hannah Partridge in London gestrandet – ihr Flug gecancelt. Sie standen pünktlich auf der Bühne der Büelacherhalle und verzauberten das Publikum vom ersten Ton an. Es war ihr erster Auftritt in dieser Konstellation – noch am Flughafen und im Zug feilten sie an ihrem Gesang. Das Resultat überzeugte vollends, mehrheitlich sangen die drei ohne instrumentale Begleitung. Geschrieben hat die Three-Part-Harmony-Songs in der irischen Tradition Branwen Kavanagh. Daneben gab das Trio auch Klassiker wie Wade In The Water, einen Spiritual aus den US-Südstaaten. Das Publikum war eingeladen, mitzusingen. Und tat es. Auch bei einem Joik – dem mit dem Jodel verwandten traditionellen Gesang der Samen – banden die drei Frauen ihre Gäste ein. Mit deren Gesangskünste waren sie sehr zufrieden. Umgekehrt verhielt es sich gleich.

Den Saal mitsingen liess auch der vierte Act des Samstags: Blind Boy de Vita. In seiner Interpretation des Queen-Klassikers Sombody To Love zog er die Zuhörenden mit ein. Zusammen mit Angie Magaso (Bass) und Simon Gautsch (Schlagzeug) lieferte er das rockigste Set des diesjährigen Festivals – wobei die Bandmitglieder für zwei weitere Stimmen sorgten. Frontmann Blind Boy hat süditalienische Wurzeln und ist von imposanter Statur; seine kolossale Mähne schwingt er bei Bedarf in bester Rockmanier. Nicht minder beeindruckend ist die Bassbariton-Stimme des Hünen. Dass er Gitarre studiert hat, ist ebenfalls gut hörbar. Zu Beginn und am Schluss des Sets war der Sound rockig und bluesig. Dazwischen wurde es ruhig. Diesen Teil bestritt Blind Boy im Alleingang. Mit akustischer Gitarre spielte er feinfühlige Songs, unter anderem ein Lied, das bei einem Aufenthalt im Senegal entstanden und entsprechend beeinflusst ist. Meist sang Blind Boy englisch, oft italienisch oder im Dialekt seiner Heimat Apulien. Auch das ist ein Zeichen für die grosse Vielfalt des Luzerner Musikers. (David Koller)

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