Gitarren und ein gebrochener Finger

Der zweite Tag des Stimmen Festivals stand auch im Zeichen der Gitarren. Thomas Seidmann alias Tom Silkman betonte, wie sehr er sein Instrument liebe. Gleichwohl setzte es nur behutsam ein. Seine Stimme wiederum ist mit einem Slapback-Effekt versehen. Der Preamp wird zu hoch ausgesteuert. Das Resultat: ein gewolltes leichtes Übersteuern. Das gehört zum minimalistischen, bisweilen, psychedelischen Konzept des Luzerner Singer-Songwriters. Silkman eröffnete den Freitag mit einem Stimmfenster im Singsaal. Das Publikum hatte er rasch auf seiner Seite – zumal er seine Gäste als «verreckti Sieche» bezeichnete. Weil sie ein Konzert bei ihm einem Badi-Besuch vorziehen. Zu hören bekamen sie dafür auch einige neue Songs, roh und ungeschliffen. Authentisch vorgetragen.

Beim zweiten Act ging es zuerst fast nur noch um das Instrument. Der Brite Jack-Broadbent ist ein Ausnahmekönner an der Slidegitarre. Er zeigte, wie man alleine problemlos eine Bühne füllen kann. Bei seinem charakteristischen Spiel liegt die Gitarre auf den Knien und dient gleichzeitig als Taktgeber. Broadbent hat sein Handwerk auf der härtesten Bühne der Welt erlernt: der Strasse. Es ist ihm gut bekommen. Sein Spiel ist virtuos, seine Stimme vielfältig: Bald rau und zornig, bald zart und verletzlich. Es war ein Konzert der Extraklasse; Broadbents leicht unterkühlte Kommentare im feinsten britischen Akzent das Tüpfelchen auf dem I. Ob das Publikum glücklich sei, fragte er. Seine Reaktion auf das «Ja» aus dem Saal: «Das solltet ihr nicht, schliesslich ist das ein Blues-Konzert.» Eines notabene, dass begeisterte Zuhörer:innen zurückliess. Zumal Broadbent erst ganz am Schluss preisgab, dass er heute mit gebrochenem Finger spielte. Niemand hätte es bemerkt.

Beim Andrina Bollinger Quartett stand abermals eine markante Stimme im Zentrum. Im letzten Set des Abends gewährte die Züricherin einen Einblick in ihr– wie sie es nennt – Schloss. Geschichten aus ihrem tiefsten Inneren erzählte sie dabei genauso wie Entdeckungen aus der Natur. So ging es unter anderem um Sterne, Quallen und die Endlichkeit des Seins. Poesie traf auf Performance. Und eben: ihre Stimme. Erdig und samtig ist sie, begleitet von drei einfühlsamen Instrumentalisten: Schlagzeuger Arthur Hnatek, Alvin Schwaar an den Tasten und Jules Martinet am Bass. Letzter wechselte in einem Stück ans Flügelhorn – Abwechslung und Vielfalt sind beim Andrina Bollinger Quartett Programm. Mal ist es ruhig, mal eruptiv. Das Set war verspielt und extrovertiert, gleichzeitig sehr intim. Vor allem aber stets geprägt von einer unverkennbaren Stimme. (David Koller)

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